Mut bedeutet das Mögliche zu sehen, statt der Angst zu folgen
Mein Mann arbeitet in dritter Generation bei der Firma Schnellecke Group AG & Co. KG in Wolfsburg und in den Herbstferien haben wir unsere jährliche Familienreise mit 29 Familienmitgliedern aus 3 Generationen unternommen. Die Familienreise dient dazu die nächste Generation zusammenzubringen und ihnen das Unternehmen näherzubringen. Diesmal wurde die Geschichte des Familienunternehmen den Enkeln erzählt.
Dabei ist mir ein Wert besonders in Erinnerung geblieben. Immer wieder wurde von Mut gesprochen, von mutigen Entscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen wurden und durch die das Unternehmen entscheidend wachsen konnte.
Aber was ist Mut eigentlich und wie kann ich mutig agieren und als Führungskraft auch meine Mitarbeiter zu mutigem Arbeiten befähigen?
Was ist Mut?
Mut ist, ein unangenehmes Gefühl zu überwinden. Eine Enge, eine Angst, eine Sorge. Nach einer mutigen Aktion lockt Glück, Freude oder Freiheit. Diese Aussicht verspricht etwas, das dem Risiko und den möglichen negativen Konsequenzen gegenübersteht. Damit ist Mut ein Gegengewicht zu Angst.
Mut ist eine Entscheidung
Ila Miers hat das Atelier de Courage gegründet. Im Podcast Team A – Der ehrliche Führungspodcast spricht sie über Mut. Mut ist keine angeborene Fähigkeit, sondern eine Entscheidung, die sich sogar trainieren lässt, wie eine Harvard-Studie zeigt. Mutige Führung bedeutet einerseits, dass Führungskräfte wissen, wer sie sind in diesem Raum zwischen Angst und Möglichkeiten und anderseits, dass sie ihren Mitarbeitern diesen Raum auch erschließen. Führungskräfte müssen aktiv eine Kultur schaffen, in der es einen Unterschied macht, ob sich die einzelnen Mitarbeiter persönlich als Mensch mehr der Angst zuwenden oder mehr den Möglichkeiten. Die Führungskultur sollte begünstigen, dass den Möglichkeiten mehr Glauben geschenkt werden kann.
Wer bin ich zwischen Angst und Mut?
Führungskräfte sollten offene Gespräche über Angst und Mut mit allen Mitarbeitern führen und natürlich als allererstes bei sich selbst beginnen.
Mut zur Selbsterkenntnis
Wie bin ich, wenn ich Angst habe?

Ils Miers vergleicht sich mit dem Säbelzahn-Eichhörnchen von Ice Age, wenn sie in Angst gerät. Sie wird extrem wadenbeißerisch, in ihr ist ganz viel Müssen, ich will das jetzt kriegen, das muss jetzt sein, es gibt also eine innere Dringlichkeit, die unglaublich groß wird.
Wie bin ich, wenn ich im Vertrauen bin?

Im Vertrauen kann ich wie Ghandi ruhig, zurückhaltend, Autonomie spendend, sehr gut zuhörend sein. Der Vorteil, wenn ich mir dessen bewusst werde, ist der, dass ich mich selbst in einer anderen Wirkung wahrnehmen kann.
Mut zur Verletzlichkeit
Es ist für alle Beteiligten hilfreich, wenn offen angesprochen wird, wenn ich mich gerade im Eichhörnchen-Modus befinde. Dann kann es thematisiert werden. Einfach nur sagen können „Ich glaube in mir wird es gerade eng.“ Ohne eine Lösung zu haben. Dadurch verändert sich der Raum. Erst danach entsteht eine Entscheidungsmöglichkeit. Entweder folge ich diesem Stress und dieser Angst oder wir kommen da gemeinsam anders raus. Mit dieser Aufmerksamkeit entsteht Handlungsvielfalt. Handlungsoptionen zu haben ist das Gegenteil von Angst. Angst bedeutet Lähmung und Ohnmacht.
Mut zur Veränderung und zum Handeln
Eine Mut-Kultur bedeutet zu registrieren, wo ich gerade stehe zwischen Angst und Mut. Wenn ich als Führungskraft immer wieder Dinge klar benenne, Dinge ausspreche, über Ängste und Ungerechtigkeiten spreche, dann trauen sich die Mitarbeiter das auch. Angst, Unsicherheit und das Ungewisse wird nicht durch Lösung pariert, sondern durch Dialog, durch Gespräch, durch Austausch, durch Verbindung finden und auch durch die Feststellung, dass andere genauso denken wie ich selbst.
5 Strategien, wie Menschen Mut entwickeln können
In turbulenten Zeiten ist es klüger aktiv zu handeln und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ranjay Gulati ist nach einer Analyse wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Untersuchungen der Frage nachgegangen, wie Menschen Mut entwickeln können.
Er beschreibt fünf Strategien.
Strategie 1: Schaffe ein positives Narrativ
Identifiziere Deine Herausforderungen und Bedrohungen und entschärfe sie. Ziel ist es, die eigene Wahrnehmung des Unbekannten so zu verändern, dass es weniger bedrohlich erscheint. Hilfreich ist es auch möglicherweise riskante Entscheidungen als mutiges Streben nach Werten zu begreifen, die Dir persönlich wichtig sind oder für Dein Unternehmen entscheidend erscheinen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen, deren Handeln auf moralischen Prinzipien basiert, ein stärkeres Zugehörigkeits- und Selbstwertgefühl entwickeln und mit ihren Ängsten besser umgehen können. Studien zeigen übrigens auch, dass Unternehmer mehr Zeit mit Beten verbringen als der Bevölkerungsdurchschnitt und glauben eher an einen Gott, der ein persönliches Interesse an ihrem Schicksal hat.
Strategie 2: Kultiviere Selbstvertrauen
Selbstvertrauen entsteht aus dem Erleben von Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit ist die innere Überzeugung eines Menschen, aufgrund eigener Kompetenzen verschiedenste Anforderungssituationen bewältigen zu können. Lebenslanges Lernen ist hilfreich, um auf Dauer in jeder Situation und Rolle zuversichtlich und selbstbewusst agieren zu können. Stelle Dir einen reichhaltigen Werkzeugkasten zusammen. Lerne eine breite Palette von Meta-Tools, wie Denkweisen, Strategien zur Problemlösung und Methoden zur Stärkung der Resilienz. Konzentriere Dich auf das Wesentliche und Machbare.
Strategie 3: Mache kleine Schritte
Erfolgreiche Führungskräfte machen kleine Schritte auf unbekanntem Terrain, bevor sie große Sprünge wagen. Auslöser ist häufig ein disruptives Ereignis, das Gefühle von Unsicherheit erzeugt. Es gilt, sowohl die äußeren Umstände als auch die eigene emotionale Reaktion genau zu betrachten, um sie möglichst objektiv einschätzen zu können.
Stelle Dir Fragen wie:
- Was genau ist passiert?
- Wen kann ich um Unterstützung bitten und um Rat fragen?
- Welche unmittelbaren Schritte kann ich unternehmen, um besser zu verstehen, was konkret los ist?
Versuche eine Hypothese aufzustellen und schreite auf Grundlage Deiner Hypothese zur Tat. Berücksichtige jedoch weiterhin neue Hinweise. Überlege immer wieder, ob es sinnvoll ist, den bisherigen Kurs beizubehalten oder eine neue Richtung einzuschlagen.
Strategie 4: Nutze Kontakte
Mut ist immer auch eine Teamleistung. Auch konstruktive Kritiker, darunter Mitarbeitende und Kundinnen und Kunden, sind entscheidend. Mutige Führungskräfte wissen diese Verbindungen gezielt zu nutzen. Hole Dir emotionale Unterstützung, nutze alle verfügbaren Ressourcen und sei offen für Feedback.
Strategie 5: Bewahre die Ruhe
Bestimmte Verhaltensweisen können Dir helfen, Ängste zu reduzieren, schneller zu überwinden oder die Art und Weise zu verändern, wie Du Dich erlebst und zum Ausdruck bringst. Um in schwierigen Zeiten gute Entscheidungen treffen zu können, braucht jeder Mensch ausreichend Schlaf und eine ausreichende Ernährung. Also kümmere Dich gut um Dein körperliches und geistiges Wohlbefinden. Pflege zum Beispiel kleine Rituale, aus denen Du Kraft und Zuversicht schöpfen kannst. Spiele gedanklich verschiedene Sichtweisen durch: eine pessimistische, eine realistische und eine optimistische.
Diese Methode hilft, Gefahren klarer zu erkennen und die eigene Reaktion darauf besser steuern zu können.
Reflexionsübung: Reflektiere, wann Du das letzte Mal mutig warst. Wie hast Du Dich gefühlt?
Quellen:
Team A – Der ehrliche Führungspodcast, So gelingt mutige Führung, 21. Oktober 2025
Harvard Business manager, November 2025, S. 16-27